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1823 - Neuorganisation des Karnevals

Das Festordnende Komitee

Anfang des 18. Jhr. gab es in Köln die 'Olympische Gesellschaft'. Bestehend aus vornehmlich akademisch Gebildeten, war sie ein elitärer Herrenclub, dem wichtige Persönlichkeiten der Stadt angehörten, u.a. Franz Ferdinand Wallraff, J.M. Dumont und Mathias Joseph de Noel.

Aus dieser Gesellschaft sollte 1823 das „Festordnende Komitee“ hervorgehen, das eine Neuorganisation des Karneval in Angriff nahm. Der Leistspruch des Komitees 'Durch Einigkeit die Kleinigkeit Zum Großen sich erweitert; Durch Zank und Streit zu jeder Zeit Das Große ist gescheitert.' wurde auch zur Maxime einer neuen kölschen Fastnacht.

In einer Proklamation des Komitees von 1823 wurde die Richtung des Unternehmens festgelegt: 'Der in ganz Teutschland einstens so berühmte kölnische Carneval soll durch das Zusammenwirken mehrerer Verehrer alter Volkstümlichkeit in diesem Jahre durch einen allgemeinen Maskenzug erneuert und gefeiert werden....' So wurden diese Herren zu Rettern des kölnischen Karnevals. An ihrer Spitze, als erster Präsident des Komitees, Heinrich v. Wittgenstein.

Der Held Karneval

Zentrale Figur und neues romantisches Zugpferd des Festes wurde der „Held Karneval“, der spätere Prinz Karneval. Zu seinen Ehren wurde 1823 der erste Rosenmontagszug unter dem Motto „Thronbesteigung des Helden Carneval“ veranstaltet. Ein paar Jahre später gesellten sich zu dem Prinzen noch der „Kölner Bauer“ und die „Kölner Jungfrau“ als allegorische Repräsentanten der Bürgerschaft.

Die Kölner Jungfrau wurde, mit zwei Außnahmen (1938-1939), immer von einem Mann dargestellt. Die Ausnahmen geschahen allerdings unter dem Druck der NSDAP, deren Kampf gegen Homosexualität auch den Karneval miteinschloss.

Die Karnevalsgesellschaften

Nach der Gründung des Festkomitees entstand eine Karnevallsgesellschaft nach der anderen. Zu den allerersten gehören die Roten Funken, die als Begeleittruppe des Prinzen im Rosenmontagszug aufmarschierten. Ihre Uniformen erinnern an die der Kölner Stadtsoldaten, die allerdings weder für ihre große Tapferkeit noch Geistesgegenwärtigkeit bekannt waren.

1902 entstand die Ehrengarde, als Begleittruppe von Bauer und Jungfrau, 1906 bekam Prinz Karneval seine Prinzengarde.

Die Geschichte von Jan und Griet

Eine Geschichte, die eng mit dem Karneval verbunden ist, und seit 1823 durch regelmäßige Aufführungen lebendig gehalten wird, ist die Geschichte von Jan und Griet.

Die Erzählung berichtet von dem hochmütigen Mädchen Griet, welches ihren Verehrer Jan von Werth abweist, weil dieser unbedeutend und mittellos ist. Voller Liebeskummer zieht der Verschmähte in den Dreißigjährigen Krieg, wo er zum gefeierten Reitergeneral aufsteigt.

Als er Jahre später, jetzt ein bejubelter Held, durch die Tore Kölns in die Stadt reitet, erkennt er die mittlerweile gealterte Griet beim Äpfelverkaufen wieder. Zwischen den beiden ergibt sich folgender, mittlerweile zum Kulturgut Kölns gehörender Dialog: Jan: 'Griet, wer et hätt’ jedonn!' – Griet: 'Wer et hätt’ jewoß!'. Frei übersetzt: Jan: 'Wenn du es doch getan hättest' – Griet: 'Ach hätte ich es nur gewusst!'.

Diese Szene wird von der Karnevallsgesellschaft Reiterkorps Jan von Werth jeweils zur Eröffnung der Weiberfastnacht an einem der Kölner Stadttore nachgespielt.

Kölsches Liedgut

Mit dem Karneval unzertrennlich verbunden ist das kölsche Liedgut. Samuel Schier schrieb 1823 zur Inthronisierung des Helden Karneval ein Lied, das den Beginn einer neuen kölschen Liedkultur markiert.

Seinen wirklichen Frühling aber erlebte das kölsche Liedgut mit Willi Ostermann ab 1907. In diesem Jahr wurde er mit dem Lied „Däm Schmitz sing Frau es durchjebrannt“ über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

Von jetzt an veröffentlichte er jedes Jahr neue Werke. Mit seinen Liedern, die von einer intensiven Kenntnis der kölschen Seele künden, brachte er kölsches Brauchtum zurück in das Liedgut der Stadt. Vorher drohte dieses durch negative Einflüsse von außen zunehmend zu verflachen. Heute zählen die Bläck Föss und die Höhner zu den populärsten Karnevalsbands. Wie damals Willi Ostermann, animieren sie Heute fast jeden Jecken zum mitsingen.


Noch 212 Tage bis zum Rosenmontag 2009 ;-) Letztes Update: 23.07.2008 / CMS by Farcry - ColdFusion CMS